Juvato kämpft für Selbständige!

Damit wir uns für Sie als Selbständige einsetzen können, müssen Sie freiwillig bei der BG versichert sein. Wir sorgen für faire Leistungen der Berufsgenossenschaft und machen uns für Sie stark in allen Belangen rund um Ihren Unfall.

Fallbeispiel – Selbständige

Das selbständige Architektenehepaar Harry H. und Brigitta H. betreibt gemeinsam ein Architekturbüro. Brigitta benötigt zurzeit durch eine Prellung am Knie zwei Gehhilfen. Auf dem Weg zu einer Besprechung rutschte Brigitta H. ihre rechte Krücke beim Umdrehen weg. Sie hielt die Krücke mit ausgestrecktem rechten Arm fest und stürzte seitlich, rückwärtig der Krücke folgend zu Boden. Sie hatte sofort sehr starke Schmerzen in der Schulter und wurde im Klinikum ambulant versorgt. Es wurde eine Rotatorenmanschettenruptur (RMR) festgestellt.

Die BG holte ein Zusammenhangsgutachten ein. Der von der BG mit dem Gutachten beauftragte Arzt stellte fest, Brigitta sei mit etwa 50 Grad abgespreiztem Arm von hinten auf die rechte Schulter gefallen. Ein geeigneter Unfallhergang läge nicht vor. Brigitta hätte beim Unfall lediglich eine Schulterprellung erlitten, da im MRT kein Knochenmarksödem sichtbar sei. Zudem hätten erhebliche degenerative Veränderungen beider Schultern vorgelegen.

Die BG lehnte mit Bescheid eine Rente ab und stellte lediglich eine unfallbedingte Behandlungsbedürftigkeit fest. Den Widerspruch von Brigitta wies sie mit Widerspruchsbescheid umgehend zurück. Hiergegen legte sie Klage beim Sozialgericht ein.  

Klage vor dem Sozialgericht

Brigitta H. beantragte, den Bescheid der BG aufzuheben und die BG zu verurteilen, die bei ihr auf Grund des Unfalles bestehenden Beschwerden an der Schulter anzuerkennen und ihr Leistungen nach einer MdE von mindestens 20 v.H. zu gewähren.

Das SG erhob Beweis unter Einholung eines orthopädischen Sachverständigengutachtens des Dr. F und nach § 109 Sozialgerichtsgesetz (SGG) eines chirurgisch-orthopädischen Gutachtens des Dr. L.

“Dr. F. ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die RMR nicht unfallbedingt sei. Die Klägerin habe beim Unfall lediglich eine Prellung der rechten Schulter erlitten. Der Unfallmechanismus sei nicht geeignet gewesen, eine RMR zu verursachen, vielmehr habe die Klägerin durch einen Sturz auf die rechte Seite ein Anpralltrauma der rechten Schulter erlitten. Aufgrund der nachgewiesenen degenerativen Veränderungen und der fehlenden Leitsymptomatik könne keine unfallbedingte RMR angenommen werden.

Dr. L. stellte fest, dass aufgrund der Verwendung der Krücke und dem plötzlichen Rückwärtsreißen des Armes beim Wegrutschen eine sehr große Zugbelastung der RMR erfolgte aufgrund der “verlängerten” Hebelwirkung bei gestrecktem Ellenbogengelenk. Dies entspreche einem geeigneten Unfallmechanismus. Außerdem habe sich im MRT vom 10.03.2003 ein deutlicher Erguss in der Bursa subacromialis gezeigt, dementsprechend habe auch klinisch eine sichtbare Hämatomverfärbung einen Tag nach dem Unfall vorgelegen. Dies spreche für eine frische Verletzung der RMR. Die Vorschäden seien nicht erheblich, insbesondere fehlten Zeichen eines Oberarmkopfhochstandes mit daraus resultierendem Impingement. Die MdE betrage 20 v.H.

Das SG hat die Klage mit Urteil vom 13.07.2006 abgewiesen und insbesondere ausgeführt, dass kein geeigneter Unfallhergang vorliege.

Hiergegen hat die Klägerin Berufung eingelegt.

Urteil Landesozialgericht

Der Senat hat zur Ermittlung des Sachverhalts ein orthopädisches Gutachten des Dr. W. vom 04.09.2007 eingeholt. Dieser hat dargelegt, dass ausweislich der Röntgenaufnahme des Klinikums A. vom Unfalltag kein Humerushochstand (Oberarmkopf) bestand, während sich am 21.07.2003 ein deutlicher Hochstand zeigte. Der Anfangsbefund werde durch die MRT-Aufnahme vom 10.03.2003 bestätigt. Der Unfallhergang sei geeignet, da die Klägerin entgegen den Ausführungen der Sachverständigen H. und F. kein Anpralltrauma erlitten habe. Der Unfallhergang sei vielmehr vergleichbar mit einem Treppensturz bei Festhalten der Hand am Geländer. Der anfängliche akute Schmerz spreche für eine erhebliche Schädigung der Schulter durch den Unfall. Degenerative Veränderungen seien bei normaler Gelenkstellung und unauffälligen Knorpelbelägen altersentsprechend, auch ein ggf. vorliegender Schaden im Bereich der Supraspinatussehne. Ein klinisch relevanter Vorschaden sei nicht bekannt. Durch den Unfall habe die Klägerin eine erhebliche Schädigung der RMR erlitten. Die MdE betrage 20 v.H.”

*Diesem fiktiven Sachverhalt liegt das Urteil des Bayerischen Landessozialgerichts, Urteil vom 18. Januar 2008 – L 3 U 335/06 –, juris, zu Grunde.

Hier hat sich der Kampf durch die Instanzen für die Verletzte Brigitta H. gelohnt. Letztlich hat sie doch noch ihr Recht bekommen. Hätten Sie sich ebenfalls durch zwei Instanzen gekämpft? Hätten Sie tatsächlich ernsthafte Zweifel an gleich zwei gegen Sie sprechende Gutachten gehabt? Schildern Sie uns Ihren Fall!